Silvester, Turniere oder Hängerfahrten bedeuten für viele Pferde Stress: ungewohnte Geräusche, neue Orte, aufgeregte Menschen – all das kann dazu führen, dass sensible Pferde nervös, unruhig oder mit Magen-Darm-Themen reagieren. Mit bewusst ausgewählten, natürlichen Zutaten kannst du dein Pferd sanft begleiten und ihm rund um solche Ausnahmesituationen etwas Gutes tun. Die folgenden beruhigenden Pferdeleckerlis eignen sich sowohl für die Zeit rund um Silvester als auch zur Unterstützung vor Hängerfahrten und anderen aufregenden Momenten. Wichtig ist dabei: Solche Leckerlis sind immer eine Ergänzung, aber kein Ersatz für Training, Gewöhnung, artgerechte Haltung und ggf. tierärztliche oder therapeutische Begleitung. Gerade bei starken Ängsten, bekannten Magenthemen, Koliken oder Stoffwechselerkrankungen solltest du jede Futterergänzung im Vorfeld mit Fachleuten absprechen.
Die Grundidee hinter diesen Leckerlis ist, das Nervensystem deines Pferdes über den Magen-Darm-Trakt sanft zu unterstützen. Das „Bauchhirn“ spielt auch beim Pferd eine wichtige Rolle: Geht es dem Verdauungssystem gut, fällt es dem gesamten Organismus leichter, in Balance zu bleiben. Zusätzlich arbeiten wir mit Kräutern, die traditionell zur Begleitung bei Nervosität eingesetzt werden, und nutzen die emotionale Komponente kleiner Fütterungsrituale, um Sicherheit und Verlässlichkeit zu vermitteln. Besonders gut eignen sich dafür milde Kräuter wie Kamille und Melisse. Kamille gilt als sanft und ausgleichend für Magen und Darm, Melisse wird traditionell bei innerer Unruhe eingesetzt. Gemeinsam mit Heucobs als Basis, etwas Schleimstoffen aus Leinsamen und einer natürlichen Süße durch Banane oder Apfelmark entsteht ein gut verträglicher, getreidefreier Snack, der sich bei vielen Pferden bewährt hat.
Für das Rezept brauchst du:
- 200 g Heucobs (möglichst getreidefrei und für dein Pferd gut verträglich)
- 2–3 EL getrocknete Kamillenblüten
- 2–3 EL getrocknete Melissenblätter
- 1–2 EL Leinsamen (geschrotet oder ganz)
- 1 reife Banane oder 1–2 EL Apfelmark ohne Zuckerzusatz
- ca. 150–200 ml warmes Wasser (je nach Saugfähigkeit der Cobs)
- optional: 1–2 TL Magnesiumcitrat in Futterqualität
- optional: 1 TL hochwertiges Öl (z.B. Leinöl)
Zubereitung: Heize zunächst den Ofen auf etwa 150–160 °C Ober-/Unterhitze vor und lege ein Backblech mit Backpapier aus. Weiche die Heucobs in einer Schüssel mit warmem Wasser ein und lass sie etwa 15–20 Minuten quellen, bis eine formbare Masse entsteht. Zerreibe währenddessen Kamillenblüten und Melissenblätter grob zwischen den Fingern, damit Duft und Inhaltsstoffe sich besser entfalten, und zerdrücke die Banane mit einer Gabel oder stelle das Apfelmark bereit. Anschließend vermischst du die gequollenen Heucobs mit Kräutern, Leinsamen, Banane oder Apfelmark sowie optional Öl und Magnesium zu einer gleichmäßigen Masse. Ist sie zu trocken, gib schluckweise etwas Wasser hinzu; ist sie zu feucht, kannst du mit weiteren Kräutern oder etwas Heucob-Bröseln nachsteuern. Dann formst du kleine Kugeln oder flache Taler in Haselnuss- bis Walnussgröße, legst sie auf das Backblech und backst sie etwa 30–40 Minuten, bis sie trocken, aber nicht steinhart sind. Lasse die Leckerlis vollständig auskühlen und, wenn du sie länger haltbar machen möchtest, bei leicht geöffneter Ofentür und ca. 50–60 °C noch ein bis zwei Stunden nachtrocknen. Zur Aufbewahrung eignen sich eine gut verschließbare Dose an einem trockenen, kühlen Ort; je nach Restfeuchte sind sie etwa ein bis zwei Wochen haltbar, weichere Varianten sollten im Kühlschrank gelagert und zügig verbraucht werden.
Für den Einsatz rund um Silvester hat es sich bewährt, nicht erst am 31. Dezember damit zu beginnen, sondern bereits einige Tage vorher kleine Mengen in den Alltag zu integrieren, damit sich dein Pferd an Geschmack, Ritual und mögliche Wirkung gewöhnen kann. Zwei- bis dreimal täglich ein paar Leckerlis (je nach Pferd und Größe 2–5 Stück) reichen in der Regel aus. Am Silvestertag selbst kannst du dieses Ritual fortführen und mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt geben, statt eine große Menge auf einmal zu füttern. Kombiniert mit einer ruhigen, gewohnten Umgebung, Sozialkontakt zu vertrauten Pferden und deiner möglichst entspannten Präsenz entsteht daraus ein Paket an Sicherheit und Verlässlichkeit. Vor Hängerfahrten bietet es sich an, ein bis zwei Stunden vor dem Verladen eine kleine Menge der Leckerlis zu füttern, nicht direkt davor, damit der Verdauungstrakt genug Zeit hat. Noch wertvoller wird das Ganze, wenn du das Ritual schon einige Tage vorher übst: Leckerlis gibt es zum Beispiel in der Nähe des Hängers, zunächst ohne Verladen, sodass dein Pferd den Hänger mit Ruhe und Positivität verknüpft.
Trotz aller natürlichen Unterstützung gilt: Leckerlis sollten gezielt und bewusst eingesetzt werden, nicht als dauerhafte „Beruhigung von außen“. Besonders bei Pferden mit Stoffwechselthemen, EMS, Cushing, Hufrehe-Vorgeschichte oder bekannten Magenproblemen muss individuell geschaut werden, welche Zutaten in welcher Menge sinnvoll sind. Behalte dein Pferd gut im Blick, passe die Fütterungsmenge an und rechne die Leckerlis in die Gesamtration ein – vor allem, wenn bereits andere Kräuter oder Ergänzungsfuttermittel im Einsatz sind. Ganzheitlich betrachtet sind solche Leckerlis ein schöner, liebevoller Baustein, aber eben nur ein Teil des Puzzles: Körperliche Balance, pferdegerechte Haltung, passendes Training und ein möglichst ruhiger, klarer Mensch an der Seite bilden die Basis. Dann dürfen die Leckerlis das sanfte i-Tüpfelchen sein, das dein Pferd in herausfordernden Momenten zusätzlich unterstützt.
Beruhigende Leckerlis können dein Pferd in aufregenden Situationen sanft unterstützen, ersetzen aber niemals ein durchdachtes Training, Gewöhnung an Reize und ein stressarmes Management. Nutzt sie als ergänzenden Baustein – die Basis für Sicherheit bleiben gute Vorbereitung, klare Kommunikation und ein pferdegerechter Alltag.
